Es gibt ein Video, welches mich zum Grübeln gebracht hat.
In diesem Video sieht man Mustafa Kemal Atatürk der 8
Monate vor seinem Tod zu einem Ball in Bursa eingeladen wurde. Dort tanzt er mit
westlichen und türkischen Gästen, obwohl eine Krankheit ihn zuvor 4 Wochen ans
Bett gefesselt hatte und niemand glaubte er werde wieder in der Öffentlichkeit
gesehen werden, seinen letzten Tanz.
Eigentlich waren es zwei Tänze, nämlich der Wiener Walzer
und der Zeybek.
Das Video ist zwar auf Türkisch, doch kann man sehen wie er
beide Kulturen, westliche und türkische, verbunden und ausgelebt hat. Es war Ihm
stets wichtig auf beide Seiten einzugehen. Kein Vorurteil oder falscher Stolz
trübte seine Entscheidung. Westmächte, Griechen, Kurden und Armenier betrachtete
er, obwohl diese teilweise als „Feinde“ galten, als wertvolle Kulturen seiner
Zeit und Umgebung. Stets achtete er auf gebührenden Respekt gegenüber allen
Gegnern.
Dies war auch ein Grund warum ihn 1934 der damalige Premier
Griechenlands, Eleftherios Venizelos, für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen
hatte. Er hatte die Beweggründe für Mustafa Kemals Befreiungskrieg bzw. der
vertreibung der griechischen Armee aus Anatolien richtig erkannt. Es gab Krieg,
es gab Tote und es gab auch Gräueltaten durch niedere Soldaten sowie
Freischärler auf beiden Seiten. Aber niemals hat Mustafa Kemal den Gegner
verspottet oder verkannt.
Diese Botschaft hat für mich folgenden Inhalt: Man muss
nicht differenzieren, sondern man kann Aspekte beider Seiten in sich Aufnehmen.
Frieden im Lande, Frieden auf der Welt.
Stand Sonntag, 15. Novmber 2008
Copyright Text: Engin Senli