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 FEUILLETON & ESSAY
Päpste, Politiker und die Zukunft der EU
MOSLEM – Ein Wort welches zurzeit bei vielen Menschen gemischte Gefühle hervorruft. Der durchschnittliche Bürger weiß oft nicht mehr als dass die Moslems Allah anbeten, einen Gott mit einem negativ assoziiertem Namen, und den Koran lesen in dem viele schlechte Dinge geschrieben stehen. Der Moslem zwingt seinen Frauen Kopftücher zu tragen und kommt aus einer streng patriarchalischen Kultur.

Die Schuld daran liegt vielleicht zu einem beträchtlichen Teil bei den Moslems selbst, aber darüber könnte man sich auch streiten.

Alles in allem haben viele Völker ein sehr eindimensionales Bild füreinander. Dies ist eigentlich sehr schade. Der hiesige Moslem hat es nach den Attentaten in Amerika, Europa und dem Nahen Osten sehr schwer sein Leben in Harmonie mit dem Okzident zu führen.

Christen haben zurzeit einen sehr Negativen Eindruck von der islamischen Religion. Solche Ereignisse bleiben sehr lange im kollektiven Bewusstsein. Man denke nur an die Christlichen Gräueltaten in den „heidnischen“ Ländern wodurch immer noch negative Gefühle in vielen nichtchristlichen Ländern, wie zum Beispiel im Nahen Osten, das Denken beeinflusst. Viele als unchristlich verurteilte wurden von den Kirchen ermordet.

Das alles liegt natürlich schon lange zurück. Aufklärung, Reformation und Demokratie haben den abendländischen Ländern Ihre Krallen gezogen. Aber nach Ansicht einiger Moslems, sogar einigen Vertretern abendländischer Kultur, ist das „christliche“ Ungeheuer immer noch unterwegs.
Das kommt davon, dass die Verbrechen der frühen Kirche nie ganz vergessen und vergeben sind. Und genau dies steht den Moslems dieser Welt bevor, wenn es nicht bald zu einer Verständigung und Versöhnung kommt. Dieses kollektive Bewusstsein negativen Denkens über die islamische Hemisphäre wird vielleicht noch in hundert Jahren bestand haben.
Beide Seiten sind dazu verpflichtet Maßnahmen zu ergreifen damit dies nicht geschieht. Es ist zum Wohle der Menschen in beiden Hemisphären.

Die EU Mitgliedschaft wäre, abgesehen davon ob Europa die Türken will oder ob die Türken in die EU wollen, ein Schritt in die richtige Richtung. Eine andere Möglichkeit ist derzeit nicht abzusehen.

Das ganze Gerede über Finanzen, Gesetze und Turkophobie sind bloß unmittelbare Probleme. Vorrausschauende und stereotype Politiker wissen, dass es diesen Schrittes benötigt, damit die Kluft zwischen den Kulturen schrumpft.
Und dies müsste die Priorität des europäischen Handelns sein, denn nur in einer friedlichen und in der Welt eingegliederten Nachbarschaft kann es Wohlstand und Stabilität geben.

Der hiesige Wähler hat dabei nur die unmittelbaren Auswirkungen in seiner Umgebung im Kopf, wenn er sagt: „Die Türkei gehört nicht in die EU!“. Man denkt gar nicht an die Zukunft. Was wird in hundert Jahren sein? Wird es den „Kampf der Kulturen“ geben? Könnte man Ihn effektiv vermeiden? Dies müssten die primären Gedanken der EU Bürger sein und nicht ob bei einer EU Mitgliedschaft der Türkei sich die Dönerbuden und die so genannten Sozialschmarotzer in der Nachbarschaft verdoppeln.

Aber so waren die Bürger (in der ganzen Welt) schon immer. Voraussicht ist eine Tugend die emotionalen Abstand und Professionalität erfordert. Man muss schon eine einigermaßen gute Ausbildung und Erfahrung haben um sich mit Fragen der EU-Zukunft auseinanderzusetzen.

Deshalb ist eine Volksabstimmung in diesen Fragen möglicherweise sehr unangemessen. Viele Menschen haben nur Einsicht in die Dinge die Ihn auch unmittelbar betreffen. Fehlentscheidungen sind immer sehr schwer aus der Welt zu schaffen. So hat die EU-Kommission eine sehr verantwortungsvolle Entscheidung von hoher tragweite zu treffen. Nicht nur die Zukunft der EU steht auf dem Spiel, sondern die der ganzen Welt.

Die Geschehnisse vor und nach dem Besuch von Papst Benedikt XVI. in der Türkei haben wieder einmal gezeigt dass mit Macht auch Verantwortung einhergeht. Der Papst hat nach den Konsequenzen seiner Rede in der Universität Regensburg jedes Wort in der Türkei genau abgeklopft. Somit hat er es geschafft die Zweifel an seiner Person, zumindest in der Türkei, auszuräumen.

Er wurde sogar zum dem „türkischen Papst“. Auch seine Vorgänger, Paul VI. und Johannes Paul II. besuchten schon die Türkei, aber nur Johannes XXIII. war während seiner Zeit als Vatikanbotschafter und später als neuer Papst eng mit der Türkei verbunden.

Nach seiner Seligsprechung durch Johannes Paul II., benannte die Stadt Istanbul die Ölcek-Straße in Papa-Roncalli-Straße (Sein Name vor der Papstwahl) um und widmete ihm eine Broschüre in türkischer, englischer und französischer Sprache mit dem Titel „Ein Freund der Türken.“ Kultusminister Istemihan Talay schrieb: „Das türkische Volk, das einen Sinn für Freundschaft hat, wird Roncalli niemals vergessen.“

Als Angelo Roncalli im Januar 1935 erstmals in die Türkei kam hätte niemand gedacht, dass ein halbes Jahrhundert später der türkische Außenminister Ihsan Sabri Caglayangil anlässlich einer Roncalli-Woche erklärte, dass „er ein wahrer Freund der Türken sei“. Im zweiten Jahr seines Türkei Aufenthalts sagte Roncalli, dass er eine tiefe Zuneigung für das türkische Volk fühle.
Während seiner Exerzitien (Geistliche Übungen) 1939 schrieb er: „Ich liebe die Türken.“. Als späterer Papst behielt er stets diese Meinung bei und die türkische Regierung Ihrerseits hatte immer großen Respekt vor seiner Person. Am 11. Juni 1959 besuchte ihn der Präsident Celal Bayar und im Jahr danach, am 25. Jahrestag seiner Ankunft in der Türkei, wurden verschiedene Gedenkveranstaltungen zu seinen Ehren abgehalten, die zwar von Unruhestiftern gestört wurden, aber von General Refik Tulga in seiner Position als Gouverneur von Istanbul durchgesetzt werden konnten.

Dies ist wieder ein gutes Beispiel von verantwortungsvoller Machtausübung. Hätte der Gouverneur den Forderungen der Aufständischen nachgegeben, hätte sich die Türkei in die Suppe der Freundschaft zum Papst spucken lassen.

Seine Abschlussworte nach den Feiern lauteten: „Papst Roncalli ist der erste türkische Papst in der Geschichte“. 1986 wurde er auch von der Jüdischen Gemeinde in Istanbul für seine Rettungsbemühungen, während der Zeit der Nationalsozialisten, geehrt. Roncalli soll 24.000 Juden in die Türkei gerettet haben.

So hat auch Joseph Ratzinger, in seiner neuen Position als Papst Benedikt XVI., eine Weitsicht und Professionalität an den Tag gebracht, die viele andere Politiker und Machtinhaber nicht besitzen zu scheinen. Benedikts XVI. Namensvetter Benedikt XV. war wegen seiner Bemühungen, den ersten Weltkrieg zu beenden, als Friedenspapst in die Geschichte eingegangen.
Benedikt XVI. wird, so hoffen viele Türken, seine Zuneigung zu den Türken nicht begraben. Der vatikanische Staatssekretär Tarcisio Bertone sprach sich am 30. Mai 2007(nach den grauenvollen Christenmorden in der Türkei) zumindest für eine EU-Mitgliedschaft der Türkei aus, da das Land „viele Schritte nach vorne unternommen hat“ und „die Grundregeln des gemeinsamen Lebens respektiert“.

Stand Sonntag, 03. Juni 2007
Copyright Text: Engin Senli

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